Die Geschichte vom
Wurzelzwerg vom Ebersberg
 
 

 

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Die Wurzelmännlein vom Ebersberg.

  Zwischen Hohegeiß und Braunlage liegt der Ebersberg in stiller Abgeschiedenheit, obgleich der die lange
  Kammschneise schräg überschneidende Wurzelstieg eine Abkürzung des Weges von einem Ort zum anderen ist.
  In diesen Bergzug haust ein merkwürdiges kleines Zwergenvolk, die Wurzelmännchen, die sich nicht wie die
  meisten Zwerge mit der Suche nach edlen Erzen abgeben, sondern Wurzel graben und sie als Heilmittel
  verkaufen. Der alte Waldarbeiter Wilhelm Hahne aus Hohegeiß, der sich bis ins höchste Alter arbeitsfähig war,
  ja alle seine Gesellen an Leistung übertraf, so daß das Forstamt ihm am Horizontalweg einen Denkstein setzte,
  hat oft genug bekannt, daß ihn nur der Wurzeltee gesund erhalte. Er ist wohl der letzte Mensch gewesen,
  dem sich die Wurzelmännlein gezeigt haben.
 
  Auch der alte Wolfsbachmüller soll sich mit den Wurzelmännchen gut gestanden haben. Jedenfalls behauptete er,
  er würde so alt wie die "Dicken Tanne", die doch schon damals über dreihundert Jahre alt waren. Das ist zwar
  nun nicht eingetroffen, aber ein sehr schönes Alter hat er erreicht und er war immer gesund bis an sein Lebensende.

  Einmal kam zu ihm der Rentmeister Bechler aus Blankenburg, der das Leben auch sehr liebte und wollte sich
  nach dem Lebenselixier des Wolfsbachmüllers erkundigen. Er bot ihm für sein Geheimnis ein schönes Stück
  Geld, aber der Müller wollte es nicht sagen, denn es verlöre für ihn selbst die Wirkung, Weil der Rentmeister aber
  immer mehr in drang, verriet er sich soweit, daß er sagte, daß Elixier könne nur von den Wurzelmännlein im
  Ebersberg erfahren. Man könne es aber nicht erzwingen, sondern man müsse abwarten, bis die Männlein
  einmal bei guter Laune wären und sich von selbst zeigen.

  Dazu hatte der Rentmeister keine Zeit und keine Geduld. Obgleich noch Schnee lag und der Müller ihn mit einem
  Blick auf dem verhangenen Himmel vor einem Schneetreiben warnte, stapfte er los und bald hörte man ihn von
  den Hängen des Ebersberges her nach den Wurzelmännchen rufen, bis sich seine Stimme in der Ferne verlor.

  Kaum eine Stunde später setzte Wind ein und das Schneetreiben begann. Das Unwetter wütete entsetzlich.
  Es war ein Wipfelbrechen und ein Heulen und fortwährend schlugen abgebrochene Äste vom Sturm getrieben
  gegen die Fensterläden, Plötzlich glaubte der Müller eine Stimme zu hören und dachte schon, der Rentmeister
  habe doch noch zurückgefunden, aber da kam`s immer deutlicher durch die Fensterläden herein,
 

"Müller, Müller, s`ward immer düller,
kein Minsche bliewt lewen. Hei müß sich ergewen!"

Und nach einer Weile klang es wieder
"Müller, Müller mahle,
Leuge nich und prahle!Prahlen
und verraten hättste sollen laten!
"

Und zum dritten Male klang die Stimme
"Nu is he hinne!
Dat ging geschwinne!
Du folgst ihm bald nach
mit Ach und Krach!"

 Dem Müller war das Zittern angekommen. Kaum war es helle, da ging er, den Rentmeister suchen. Er fand ihn
  am Fuße des Ebersberges, da wo jetzt der Stein steht. Bei dem Umherirren im tiefen Schnee hatten ihn die Kräfte
  verlassen, er war hingesunken und erfroren. Auch der Wolfsbachmüller hat danach nicht mehr lange gelebt,

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